Dienstag, 12. Dezember 2017
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Wie entsteht ein Feuerwehrfahrzeug

 

Wie entsteht ein Feuerwehrfahrzeug

In diesem Bericht geht es um die Anschaffung sowie die Planung und letztendlich auch um den Bau eines Feuerwehrfahrzeuges am Beispiel des Löschgruppenfahrzeug 10/6 (LF 10/6) der Löschgruppe Bardüttingdorf der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Spenge. Er erhebt keinen Anspruch auf hundertprozentige Vollständigkeit, denn dazu ist der Ablauf zu umfangreich. Speziell auf die gesetzlichen Vorgaben einer öffentlichen Ausschreibung wird hier nur sehr vereinfacht eingegangen, um nicht den Rahmen zu sprengen.

Bevor es überhaupt an den Bau des Fahrzeugs geht, bedarf es einiger Vorarbeit. Zuerst muss natürlich festgelegt werden, um welchen Typ es sich handeln wird. Nicht jede Einheit benötigt ein Hilfeleistungslöschfahrzeug, einen Rüstwagen oder eine Drehleiter. Dies wurde in einer Bedarfsanalyse ermittelt und im sogenannten Brandschutzbedarfsplan festgelegt. Dies ist hier in wenigen Worten umschrieben, bedeutet in der Wirklichkeit aber sehr viel Zeit, Fachwissen und Engagement um diesen Plan zu entwickeln.

Nachdem die Notwendigkeit für eine Ersatzbeschaffung festgestellt wurde, müssen nun noch die politischen Verantwortungsträger der Anschaffung zustimmen.

Mit der Festsetzung des Fahrzeugtyps ist aber nur der grobe Rahmen abgesteckt, danach geht es dann an die detaillierte Planung des Fahrzeugs. Neben der „Anhörung“ und gemeinsamen Besprechung des Fahrzeuges innerhalb der Einheit, bildete sich dann eine Arbeitsgruppe, die sich mit Vorbereitung der Ausschreibung und der Planung sowie der Baubegleitung befasste. Die Festlegung auf einen bestimmten Fahrzeugtyp gibt ja schon eine Mindestbeladung vor. Diese wird dann noch um einiges an Zusatzbeladung ergänzt. Für die Ausschreibung ist aber eine genaue Bezeichnung mit Beispielen bzw. mit den dazugehörigen DIN und EN Nummern erforderlich. Dabei empfiehlt es sich, auch mal über den Tellerrand zu schauen und nach Neuerungen Ausschau zu halten. Dies ist aber nur der Teil der zukünftigen Beladung. Dazu kommen dann noch Fragen zum Fahrgestell, also dem LKW unter dem Aufbau. Wird Allrad – oder Straßenantrieb benötigt, braucht es Single– oder Doppelbereifung und welche Geländeeigenschaften soll das zukünftige Feuerwehrfahrzeug haben? Übrigens wird in diesem Zuge auch festgelegt, welche Farbe die Innenraumbeleuchtung hat oder wo welcher Schalter für Blaulicht und Martinhorn sitzt. Das sind nur einige Beispiele über welche großen Bauteile, aber auch über welche „Kleinigkeiten“ sich Gedanken gemacht werden müssen um eine korrekte und vollständige Ausschreibung durchzuführen. Allein dies bedeutet bis zu diesem Zeitpunkt einiges an Zeit und Schreibtischarbeit bevor überhaupt die erste Schraube angefasst wird. Zeitlich liegt dies alles zirka 1 ½ Jahre vor der Auslieferung.

Nach der Fertigstellung der Ausschreibungsunterlagen werden diese seitens der Stadt Spenge in einem vorgeschriebenen förmlichen Verfahren den Anbietern zur Verfügung gestellt. Die interessierten Hersteller können dann ihr Angebot abgeben. Nach einer gewissen Frist wird dann entschieden, welches der Angebote den Zu-schlag erhält. Diese trifft der Rat der Stadt Spenge. Zuvor erfolgt unter Mitwirkung der Feuerwehr eine Überprüfung der Angebote. Ab diesem Zeitpunkt dauert es „nur“ noch zirka 1 Jahr bis das Löschgruppenfahrzeug abgeholt werden kann.

Nach der Erteilung des Auftrages geht es dann an die Detailplanung mit dem entsprechenden Aufbauhersteller. Es wird festgelegt, welche Geräte im späteren Fahrzeug verstaut und wie sie gelagert werden. Es gibt dazu diverse Möglichkeiten wie Schubfächer, Auszüge, Klappfächer, Drehfächer oder einfache Kunststoffkästen um die viele Ausrüstung zu verstauen. Bei der Planung geht es aber nicht nur darum so viel wie möglich unterzubringen, sondern es müssen auch einsatztaktische Belange berücksichtigt werden. So sollten die Gerätschaften für die Brandbekämpfung nicht über das ganze Fahrzeug verteilt werden, sondern wenn möglich in Gruppen gelagert werden. Dies trifft natürlich auch auf die Ausrüstung für die technische Hilfeleistung zu. Dann ist noch zu klären, auf welcher Seite die Sachen gelagert werden sollen. Bei Einsätzen im Straßenverkehr spielt dies eine wichtige Rolle. Ist der richtige Platz dann gefunden, müssen aber noch die recht schweren Geräte berücksichtigt werden. Um „rückenschonend“ arbeiten zu können, sollten diese natürlich so weit wie möglich unten gelagert sein. Auch Teile, die oft gebraucht bzw. sehr schnell benötigt werden, sollten nicht an Stellen untergebracht sein, wo man im Zweifelsfall erst alle Tritte ausfahren oder sogar erst auf das Aufbaudach zu klettern muss, um an sie heranzukommen.

Dabei ein gesundes Mittelmaß zwischen Aufwand und Nutzen zu finden, bedeutet allerdings auch Kompromisse einzugehen und wieder jede Menge Schreib- und Zeichenarbeit.

Wenn diese Planung abgeschlossen ist, beginnt der eigentliche Bau des Fahrzeuges. Zu Beginn wird das Fahrgestell so umgebaut, dass insgesamt neun Feuerwehrleute ausreichend Platz haben. Dazu wird das serienmäßige Fahrerhaus umgebaut und um eine zweite und dritte Sitzreihe erweitert.

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Parallel wird auf einem vorgefertigten Rahmen der Aufbau erstellt. Mit dem Einbau der Tanks für Wasser und Schaummittel sind schon wesentliche Teile integriert. Dann erfolgt in Handarbeit der „kundenspezifische“ Ausbau. Hier wird jeder Ausrüstungsgegenstand so gelagert wie es in den vorhergegangenen Baubesprechungen festgelegt wurde. Auch die gesamte elektrische Verkabelung für das Fahrzeug muss jetzt mit eingebaut werden. Insgesamt sind einige hundert Meter Kabel zusätzlich zur Fahrzeugelektrik verlegt. Wenn man sich aber die vielen „Helferlein“, Steuerungen und Beleuchtungen anschaut ist dies nicht verwunderlich.

Wenn dann das Fahrgestell vom Kabinenumbau zurück ist, wird es mit dem Aufbau „verheiratet“. Anschließend erfolgt der Einbau der Pumpe und der Elektronik für die Schaumdruckzumischung sowie restliche „Feinarbeiten“.

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Zum genauen Anpassen der Halterungen für die Beladung ist es absolut notwendig, dass die Ausrüstung nach und nach zum Hersteller gebracht werden muss. Da in unserem Fall viele Teile vom alten Fahrzeug übernommen wurden, war es dementsprechend viel Aufwand.

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Nun folgt auch die endgültige Beschriftung der Geräteräume und die Beklebung des Fahrzeuges im jetzigen Design.

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Zu unserer Ausschreibung gehörte auch die Abnahme durch einen Sachverständigen des „Instituts der Feuerwehr“ aus Münster. Er überprüft das Fahrzeug und stellt sicher, dass es den gültigen Normen, Vorschriften, Bestimmungen und natürlich auch der Ausschreibung entspricht.

Zur Abnahme durch die Feuerwehr wird es dann komplett beladen, nochmals überprüft und die Maschinisten erhalten die Einweisung auf Fahrgestell und Pumpe.

Wenn dann auch alle eventuell vorhandenen Mängel beseitigt sind, wird das Fahrzeug ausgeliefert und nach der Einweisung aller Kameraden der Löschgruppe Bardüttingdorf in den Einsatzdienst gestellt. Natürlich ist so ein Neufahrzeug erst einmal auch ein Stück Neuland für die Feuerwehrleute und muss in den regelmäßigen Übungs- aber auch Sonderdiensten ausprobiert und getestet werden.

Mit der Investition von rund 250.000 € wurde ein großes Stück Sicherheit für die Bewohner des Ortsteiles Bardüttingdorf und der gesamten Stadt Spenge sowie ihrer Gäste beschafft. Sie wurde notwendig, weil das Vorgängerfahrzeug nach 28 Jahren Einsatzdienst immer mehr Ausfälle durch Defekte aufwies und auch technisch nicht mehr dem Stand der Technik entsprach.

Zusätzlich zu der Ersatzbeschaffung und dem damit verbundenen Verkauf von Tank-löschfahrzeug (TLF) 16/25, Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) und Mannschaftstransportfahrzeug (MTF), konnte im Jahr 2009 noch ein gebrauchter Ford Transit als MTF beschafft werden. Damit konnte das Fahrzeugkonzept für die Löschgruppe Bardüttingdorf erfolgreich umgesetzt werden.

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